Der gute Hirte

Gedanken zum Gutenhirtensonntag

Bild: Friedbert Simon In: Pfarrbriefservice.de

 

 

Ich weiß nicht, wie es Ihnen und euch geht, aber ich habe das Gefühl in einer Zeit zu leben, in der die Welt ins Wanken gerät. Die Menschheit kämpft schon seit über einem Jahr gegen eine Krankheit, die sich nur sehr schwer bis gar nicht kontrollieren lässt. Das Besondere dabei: Diesmal handelt es sich nicht um eine regionale Pandemie, keine Seuche in irgendeinem afrikanischen oder asiatischen Land. Diesmal handelt es sich um eine Bedrohung, die uns alle betrifft. In Deutschland haben wir schon so manches ausprobiert und eingeführt, um mit der Situation umzugehen: Lockdown und Öffnungen, Ausgangssperren, Test- und Impfstrategien, Maskenpflicht hier und da und dann wieder nicht – geht es Ihnen und euch auch so, dass Sie und ihr da manchmal die Übersicht verliert?

In so einer Situation wünscht man sich dann doch gerne jemanden, der ganz klar sagt was jetzt wirklich zu tun ist. Aber auch das ist nicht so einfach. Denn wenn jemand eine Vorgabe macht, dann wird da auch ganz schnell kritisiert. Inzwischen gibt es dann ganz viele, die es dann doch wieder anders machen. Und ich selbst frage mich auch immer wieder, ob das Beschlossene wirklich sinnvoll ist und ob ich bereit bin auch danach zu handeln. Dabei ist die Pandemie nicht das einzige Thema, wo das so läuft. Wenn man sich mit dem Klimawandel beschäftigt hat man ganz schnell ein sehr ähnliches Muster. Jemand entscheidet etwas, dann wird es kritisiert und dann wird gestritten. Am Ende kommt man zu keinem Ergebnis und eigentlich ist es auch egal, denn man ist ja mal wieder geneigt nur das zu tun was einem selbst sinnvoll erscheint. Und (wenn man ehrlich ist) sind es die Dinge die einem selbst nicht weh tun. Niemand weit und breit der anleiten kann, aber auch niemand, der von uns allen akzeptiert wird.

Doch nicht nur in der Welt und in der Politik läuft es so. Auch die Welt der Kirche gerät ins Wanken und scheint, zumindest bei uns in Deutschland, auseinanderzubrechen. Wer hört dabei noch auf wen wenn Bischöfe gegen Bischöfe und Theologen gegen Theologen stehen? Wenn selbst nach päpstlichen „Schlussworten“ jede Diskussion einfach weitergeht. Wenn selbst in den Gemeinden unseres Bistums die Risse tief durch die Gemeinschaft gehen? Wie eine Antwort auf diese Fragen erscheint mir das Evangelium des 4. Sonntags der Osterzeit (Joh10,11-18):

Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich.

Jesus sagt von sich selber, dass er unser Hirte ist. Während andere bei Gefahr die Schafe im Stich lassen oder nur gekommen sind um sie zu schlachten und zu zerstören, ist er derjenige, der sein Leben freiwillig hingibt um die Herde zu retten. Um ihn sollte es in der Kirche gehen. Es sollte nicht darum gehen wer etwas will oder nicht will, es sollte nicht darum gehen unbedingt Recht zu haben. Unsere Bestimmung als Kirche ist es ihm nachzufolgen im Glauben und im Vertrauen darauf, dass er uns auch heute noch leitet. Jetzt werden Sie und ihr vielleicht sagen: Ja natürlich, doch damit haben wir die Probleme unserer Zeit noch nicht gelöst. Das stimmt. Aber wenn wir nicht mehr uns selbst sondern Jesus in die Mitte unseres Tuns stellen, dann verändert sich etwas. Wenn wir seinem Vorbild folgen, dann verändert sich unsere Gesprächskultur und unser Umgang miteinander. Wenn wir wieder mehr im Gebet um seine Hilfe und Führung bitten, dann geht es nicht mehr um unser eigens Ego oder wir überhöhen nicht mehr unseren Willen. Wenn wir ihn als unseren guten Hirten annehmen, dann haben wir wieder unser Ziel vor Augen. Wenn wir ihm nachfolgen, brauchen wir uns nicht mehr sorgen was aus unserer Kirche und unserer Welt wird, denn er ist ein Hirte, der für seine Schafe alles gab und auch heute noch gibt. Nehmen wir Jesus wieder und immer wieder neu als unseren Hirten an, der uns durch alle Zeiten führt und geleitet. Beten wir immer wieder darum, dass nicht unser Wille, sondern der Wille Gottes geschehe.

Es grüßt Sie und euch, Sven Brückner