Impuls zum 4. Sonntag der Osterzeit

Liebe Schwestern und Brüder in der Herde des Herrn,

der Schafstall hat eine Tür und ein Fenster. Wer durch das Fenster einsteigt ist ein Dieb, wer durch die Tür kommt der Hirte. Ein sehr einleuchtendes Bild das Jesus im heutigen Evangelium verwendet.

Wer ist nun der Dieb? Der Dieb ist der, der die Schafe für seine Zwecke missbrauchen will. Vor ihm müssen wir uns in Acht nehmen, dass wir ihm nicht folgen! 

Der Dieb kann ein falscher Prophet sein, der behauptet Gottes Wege zu kennen und uns führen will. In Wahrheit will er aber nur ein gutes Buch verkaufen. Folgt nicht seiner Stimme, sagt Jesus!

Der Dieb kann aber auch ein Politiker sein, der uns vormacht für eine christliche Gesellschaft einzutreten, in Wahrheit aber einfach nur gewählt werden will. Folgt nicht seiner Stimme, sagt Jesus!

Der Dieb kann auch die Werbung für den Konsum sein, die uns sagt was wir alles brauchen und für dessen Erwerb wir all unser Geld, Zeit und Energie einsetzen. Folgt nicht seiner Stimme, sagt Jesus!

All diese Stimmen und noch viele andere brüllen täglich auf uns ein. Gar nicht so einfach dabei die Stimme des Hirten zu hören. Darum ist es wichtig, dass wir unser Gehör schulen, um die Stimme Gottes zu erkennen und uns von ihr leiten zu lassen.

 

Wie erkenne ich die Stimme Gottes? Das Gleichnis gibt uns darauf zwei Antworten.

Erstens: Gottes Stimme ruft uns beim Namen. Sie meint wirklich uns.

Sie gehört keinem falschen Propheten, der alle ermahnt ihm und seiner Verkündigung zu folgen; Sie gehört keinem Politiker, der zu namenlosen Wählern spricht; Sie entstammt keiner Werbung die millionenfach dasselbe Produkt verkaufen will. Gottes Stimme meint uns, weil ihm der Einzelne wichtig ist und er unser Leben kennt in all seinen Facetten. Und an dem „Gerufen sein“ bei unserem Namen erkennen wir Gottes Stimme. So wie Maria Magdalena Jesus erkannte, als er sie bei ihrem Namen rief.

Die zweite Antwort des Gleichnisses darauf, wie ich Gottes Stimme erkenne, ist:Der Hirte kommt durch die Tür und diese Tür ist Jesus Christus.

Wenn einer also wirklich in der Nachfolge Christi steht, in seinem Namen handelt und verkündet, dann kommt er durch diese Tür, d.h. er kennt Jesus Christus und will die Schafe durch diese Tür auf die Weide führen. Er wird von Jesus Christus reden und diese Verkündigung kann keine andere sein, als die, welche uns im Evangelium schon gegeben ist. In diesem Sinne sind also all die Worte der Propheten und Seher unserer Zeit zu prüfen. Damit ich aber all die Stimmen, die auf mich eindringen, prüfen kann, muss mir die Stimme des Hirten vertraut sein. Ich möchte Sie darum ermutigen immer wieder das Neue Testament zu lesen. Denn nur wenn ich das Wort Gottes kenne, kann ich auch die Stimmen beurteilen, die ich höre. Beispielsweise ist das, was mir Politiker als Vision für unsere Gesellschaft einreden wollen auch eine Vision des Evangeliums für das Reich Gottes? Und ist das, was mir die Werbung als ein Bedürfnis verkaufen will, auch das, was uns laut Jesu Wort das Leben in Fülle schenken wird?

Wenn ich die Worte der Heiligen Schrift gut kenne, dann kann mir so leicht niemand anderes mit falschen Prophetien oder Versprechungen etwas anhaben. Dann sind wir wie die Schafe im Gleichnis Jesu und hören nicht auf ihre Stimme, sondern gehen durch die Tür Jesu und werden so Weide finden. Denn er ist gekommen, damit wir das Leben in Fülle haben. Ein Leben erfüllt mit Sinn und Liebe. Schulen wir also unser Ohr, indem wir Zeit mit unserem Hirten Jesus verbringen im Gebet und im Lesen in seinem Wort.  So werden wir auch die Stimme unseres guten Hirten unter dem Gebrüll all der Stimmen unserer Zeit wiedererkennen.

Veronika Brückner

Impuls zum dritten Sonntag in der Osterzeit

Liebe Gemeinde,

in der Natur erleben wir zurzeit, wie der Frühling Einzug hält. Die Blumen beginnen zu blühen und die Bäume bilden ihre Knospen. Die Natur schafft eine positive Atmosphäre, und doch erleben wir in diesen Tagen eine ganz andere Stimmung!

Der Corona-Virus prägt das Zusammenleben in unseren Kirchengemeinden, in unserem Land und weltweit. Ich bin traurig, (bestimmt viele von Ihnen auch), dass ich regelmäßig eine nicht öffentliche Messe für die Kirchengemeinde feiern muss.

Aber so wie der Frühling nun seinen Einzug hält und die Welt sich positiv verändert, bin ich auch zuversichtlich im Gespräch mit dem zuständigen Ministerium, dass wir spätestens Anfang Mai eine Veränderung bekommen. Laut dem Schreiben unseres Bischofs heute am 21.04.2020 wird es bis zum 04. Mai keine Änderungen geben.

Trotzdem ist es mir wichtig, dass wir im Gebet verbunden sind. Auch lege ich Ihnen die Empfehlungen unseres Bischofs ans Herz, die Gottesdienste im Fernsehen und Radio mitzufeiern. Ich möchte Sie aber auch einladen, zu Hause zu beten, alleine oder besser noch miteinander in der Familie.

Unsere Pfarrkirchen St. Josef - St. Michael - zum Heiligsten Herzen Jesu - sind täglich für das Gebet geöffnet. Das Gebet ist die Brücke, die die Verbindung untereinander hält. Es ist die Brücke zu Gott, der uns verspricht, uns nie zu verlassen. Die Ressource, aus der wir Kraft schöpfen können, auch in turbulenten Zeiten.
Als Katholiken wollen wir uns auf ein altes Ritual besinnen: das Angelus-Gebet, auch genannt „Engel des Herrn“. Das ist ja eine alte Tradition der Kirche, dass immer morgens, mittags und abends zum Gebet geläutet wird. Das ist die kurze Unterbrechung im Alltag für Gott; das wollen wir jetzt neu intensivieren und beleben. Lasst uns sagen: „Die Glocken läuten zum Gebet, zu einer geistlichen, vielleicht auch virtuellen Zusammenkunft, zu einer Versammlung von allen Menschen, die sich diesem Gott, diesem Glauben verbunden fühlen“.

Seit der Corona-Krise läuten unsere Glocken um 19.30 Uhr. Dieses Läuten soll uns ein Zeichen der Verbundenheit sein – wir sind verbunden im Glauben untereinander und verbunden mit Gott.

Ich lade Sie ein, dieses Läuten zum Anlass zu nehmen, zu Hause eine persönliche Gebetszeit zu halten. Egal wie gebetet wird: Ich weiß, jetzt beten auch andere Christen und wir sind miteinander in dem einen Geist verbunden.

Und wenn wir irgendwann wieder in einen normalen Alltag zurückkehren können, freue ich mich umso mehr auf das, was uns bisher immer so normal erschien. Und vielleicht denken wir auch anders über unser Leben. Das ist vielleicht die Chance, die sich aus der jetzigen Situation ergibt.

Ich wünsche Ihnen allen von ganzem Herzen Gottes Segen.

P. Tomy Thomas

Impuls zum zweiten Sonntag in der Osterzeit

Singen Sie auch so gerne Osterlieder wie ich?  Und merken Sie gerade auch wie sehr dabei die Orgel fehlt, die unseren Gesang trägt oder wenn Sie vor dem Fernseher mitsingen, die Gemeinschaft der Sänger rechts und links von Ihnen? Es ist gar nicht so einfach alleine in die jubelnden Lieder hineinzufinden.

Christsein - das war von Anfang an Gemeinschaft. Die Frauen, die Jesus begegnen, suchen sofort die größere Gemeinschaft der Jünger auf. Die Emmausjünger kehren am selben Abend noch in die Gemeinschaft nach Jerusalem zurück. Auch in der Lesung aus der Apostelgeschichte hören wir gleich zu Beginn, dass nicht nur an der Glaubenslehre festgehalten wird, sondern ebenso an der Gemeinschaft. Die Gemeinschaft fehlt uns in diesen Tagen und wie ist es mit der persönlichen Begegnung mit dem Auferstandenen? 

Im Evangelium heute hören wir von einem Jünger, der diese Begegnung erst einmal verpasst hat: Thomas war nicht dabei. Das Zeugnis seiner Freunde reicht ihm nicht um zu glauben. Nicht einmal seinen eigenen Augen ist er bereit zu glauben. Überprüfen will er, ob der Herr wirklich lebt und ob er zuvor wirklich tot gewesen ist und deswegen die Hände in seine Wunden legen. So kritisch wie Thomas reagieren damals und reagieren auch heute viele Menschen auf die Botschaft von der Auferstehung. Und sie haben Recht, denn unser Auferstehungsglaube vertritt ja den Anspruch einer historischen Begebenheit, die man kritisch untersuchen kann: Da ist ein leeres Grab, da sind Augenzeugenberichte und ein mysteriöses Grabtuch. All das kann einen zu dem begründeten Schluss kommen lassen: Ja, Jesus ist auferstanden!

 Bei vielen bleibt aber trotzdem der Zweifel bestehen: Man versucht den verschwundenen Leichnam zu entdecken, die Augenzeugen unglaubwürdig aussehen zu lassen und das Grabtuch als Fälschung zu diffamieren und wenn das mit Fakten nicht gelingt, lässt man eben seiner Fantasie in einem Roman freien Lauf oder verdreht auf wissenschaftlich unredliche Weise die Faktenlage in vermeintlichen Dokumentationen. Fast 2000 Jahre nach den Ereignissen werden immer noch die gleichen Zweifel diskutiert unter den „Ungläubigen“. Und Thomas? Was bringt ihn letztlich zum Glauben? Folgendes scheint mir dabei wichtig zu sein: Er wendet sich von seiner Glaubensgemeinschaft nicht ab. Auch wenn er Zweifel am Glaubenszeugnis seiner Brüder und Schwestern hat, kommt er zu den Versammlungen und da begegnet er dem Auferstandenen. Die Begegnung ist so eindrücklich für Thomas, dass er auf die Knie fällt und Jesus anbetet. Keine Rede mehr von nötigen Untersuchungen des Leibes Jesu. Die Begegnung mit Jesus vertreibt alle Zweifel und allen Unglauben. Was müssen wir also Tun, wenn uns Zweifel kommen an der Auferstehung Jesu? Wir müssen die Begegnung mit ihm suchen.  Seit Pfingsten wird Jesus dabei eher im Heiligen Geist zu uns kommen, als durch die Wände unserer Häuser. So sagt Jesus in der Offenbarung des Johannes: „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn einer meine Stimme hört und die Türöffnet, bei dem werde icheintreten und Mahl mit ihm halten und er mit mir“ (Off 3,20). Von Dr. Johannes Hartl, dem Leiter des Gebetshauses Augsburg stammt die Aussage: „Jesus ist da in unserem Herzen. Nur wir sind es meistens nicht.“

Zwei Sätze, die zum Nachdenken einladen. Gerade diese Tage der unfreiwilligen Zurückgezogenheit können auch eine Chance sein in unserem Herzen einmal wirklich da zu sein. Vielleicht begegnet uns auch da der Auferstandene wie schon vielen Christen vor uns und wir können einstimmen in das Zeugnis so vieler vor uns und nach uns: „Christus ist erstanden!“ Halleluja! Ich jedenfalls glaube fest daran.

Veronika Brückner

Impuls zu den drei österlichen Tagen

Bei meinem Wocheneinkauf letzte Woche, als ich an den leeren Regalen für Toilettenpapier, Hefe und Toastbrot vorbeiging, erklang aus den Lautsprechern des Supermarktes: „Dieses Jahr läuft Ostern vielleicht nicht so wie geplant…“ und ich dachte mir: Ja, so ist es. Doch wenn diese Feststellung für die Werbung eines Supermarktes gilt, was bedeutet es dann für die Christen? Schließlich ist das Osterfest der wichtigste Feiertag im Kalender der Kirchen.

Mitten zwischen den drei österlichen Tagen Gründonnerstag, Karfreitag und Ostersonntag, stehen wir genau vor dieser Situation: Das wichtigste Fest der Christenheit und es finden keine Gottesdienste statt und von Familienbesuchen wird vernünftigerweise vehement abgeraten. Fast bekommt man den Eindruck: Ostern läuft dieses Jahr nicht nur nicht wie geplant, sondern es fällt ganz aus.

Doch das Osterfest selbst, Jesu Leidensweg bis hin zur Auferstehung, kann uns für diese Zeit ein Wegweiser sein. So durchlebt Jesus selbst im Garten Gethsemane, nach dem Mahl mit seinen Jüngern, die Ohnmacht vor dem Kommenden, die Angst und die Einsamkeit (Lk 22,39-46). Gefühle, die viele Menschen in dieser Zeit auch empfinden. Jesus geht an Karfreitag den Weg des Leids und des Schmerzes, er wird ausgelacht, verspottet, geschlagen, verwundet und schließlich getötet. Hier geht Jesus den Weg mit all den Menschen dieser Tage, die aufgrund einer Infektion ausgegrenzt werden, mit all jenen, die schwer am Corona-Virus erkranken und jenen, die diese Krankheit nicht überleben. So heißt es auch im Buch Jesaja über den Gottesknecht: Aber er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen (Jes 53,4).

An diesem Punkt, so sagt es uns die alltägliche Erfahrung, müsste die Geschichte eigentlich ihr Ende haben. Vielleicht stehen einige Menschen gerade an diesem Punkt, dass momentan alles hoffnungslos scheint: Das soziale Miteinander ist stark minimiert, unser gesellschaftlicher Umgang stark eingeschränkt, viele Kleinunternehmer bangen um ihre Existenz, die Sorge um Freunde und Familie ist groß und die Trauer und der Schock um die Toten ist nicht zu messen. Ein Ende der sogenannten Corona-Krise ist aber nicht in Sicht.

Und doch ist die Botschaft von Ostern gerade eine andere. Jesu Weg endet nicht am Kreuz, er wird von Gott auferweckt zu neuem Leben. Das ist das Evangelium, die frohe Botschaft dieses Festes. Gott lässt uns nicht allein in den Krisen und Ängsten unseres Lebens, ja selbst im Tod geht er den Weg mit uns. Er schenkt uns Hoffnung und Kraft all das durchzustehen und er will auch uns zu neuem Leben erwecken.

So schwer auch die Situation im Moment ist, so dürfen wir gewiss sein, dass Gott diese Zeit mit uns durchlebt und dass er auch uns und unsere Gesellschaft zu einem österlichen Ende dieser Krise führen wird. In diesem Sinne wünsche ich ihnen eine gesegnete Osterzeit.

 

Sven Brückner

Impuls zum Gründonnerstag

Jesus geht vor seinen Jüngern auf die Knie

Ja, um seinen Jüngern die Füße zu waschen muss Jesus vor seinen Jüngern in die Knie gehen (Joh 13,1-15).

Die Vorstellung, dass der Schöpfer vor seinen Geschöpfen in die Knie geht und ihnen die Füße wäscht, ist schon fast eine Zumutung und doch zeigt diese Erzählung uns, wie groß Gottes Liebe zu uns ist. Eine Liebe, die ihn uns die Füße waschen lässt und die ihm die Bereitschaft gibt sich sogar von seinen Geschöpfen ans Kreuz schlagen zu lassen.

Jesus fragt seine Jünger: Begreift ihr was ich an euch getan habe? Begreifen wir es?

Jesus geht es hierbei nicht zu Erst um den moralischen Apell. "Was ich getan hab, das müsst auch ihr tun."  Nein, zuerst kommt das Begreifen. Wir sollen zuerst begreifen, dass Jesus uns die Füße waschen will und dann müssen wir uns in einem nächsten Schritt auch die Füße waschen lassen.

In der Liturgie des Gründonnerstags ist es üblich, dass der Pfarrer Gemeindemitgliedern die Füße wäscht. Dieses Jahr findet dieser Ritus auf Grund der Covid19-Pandemie nicht statt. Aber auch in den vergangenen Jahren fanden sich nicht genug Gemeindemitglieder, die bereit waren sich von unserem Pater die Füße waschen zu lassen.  Wenn es uns schon schwerfällt von einem Mitmenschen - mag es auch der hochgeschätzte Herr Pfarrer sein - diese Geste anzunehmen, wie schwer wird es uns dann fallen diese Geste wirklich auch von Jesus anzunehmen?

Lasse ich Gott vor mir in die Knie gehen, um mich zu berühren und zwar nicht die schon sauberen Füße, sondern die verstaubten Füße - unser Leben, wie es eben ist, mit all seinem Reisestaub und seinen Wunden? Denn Jesus berührt ja nicht den Heiligen Petrus ohne jeden Makel, sondern den Petrus, der ihn am selben Abend noch verleugnen wird. Und so berührt er auch uns nicht erst, wenn unser Leben ganz gottgefällig ist, sondern wenn es noch mit aller Schuld und allem Versagen beschmutzt ist.

Auch wenn es uns schwerfällt diese Berührung wirklich zuzulassen ist es doch unbedingt nötig, dass wir zu dieser Bereitschaft gelangen, denn Jesus sagt: "sonst haben wir keinen Anteil an ihm".

Erst wenn wir uns von ihm die Füße waschen lassen, wenn wir seine Hingabe, die bis in den Tod geht, für unser Leben annehmen, erst dann haben wir Anteil an ihm und erst dann gilt uns auch die Aufforderung so zu Handeln wie er. Aus der Erfahrung seiner Demut heraus können auch wir demütig sein und unseren Brüdern und Schwestern die Füße waschen und Hingabe üben.

Jesus ist sich nicht zu gut dafür vor mir zu knien. Wie ist es mit mir? Bin ich mir zu gut dafür vor anderen einen niedrigen Dienst zu verrichten?  Jesus kniet vor meinem Nächsten und er kniet vor mir, eine Wahrheit, deren wir uns auch im Gottesdienst wieder neu bewusst werden können.

Eine junge Frau hat einmal auf die Frage, warum wir vor dem Heiligsten Sakrament knien, geantwortet: um mit Jesus auf Augenhöhe zu sein. Wenn wir uns bewusst machen, dass Jesus vor uns kniet, dann können wir auch wieder neu die Schönheit des Kniens im Gebet entdecken. Vielleicht sehen wir es dann auch nicht mehr als "Fortschritt" im Glauben, wenn wir in unseren Kirchen auf Kniebänke verzichten, denn wir knien nicht weil wir uns vor Gott demütigen müssen, sondern weil Gott sich vor uns demütigt und wir so mit ihm auf Augenhöhe sind.

Liebe Schwestern und Brüder, ich lade sie ein die Feier der Österlichen Tage unter diese Frage zu stellen:

Bin ich bereit mich von Jesus berühren zu lassen?

Seine liebevolle Hingabe für mich anzunehmen und ihm meine schmutzigen Füße hinzuhalten, dass er sie waschen kann?

 

Veronika Brückner

Impuls für den Palmsonntag

Liebe Schwestern und Brüder,

heute starten wir in die Heilige Woche ohne den Einzug Jesu in Jerusalem feierlich zu begehen.

Dafür spüren wir in diesem Jahr so drückend wie noch nie die Stille und Schwere dieser Tage.

In den liturgischen Texten des heutigen Tages hören wir die Matthäus Passion. Matthäus stellt dabei besonders die Rolle des Verräters Judas heraus. Judas, der seinen Freund und Herrn für ein bisschen Geld verrät und zu spät merkt, was er Furchtbares getan hat. Als er merkt, dass er das Geschehen nicht wieder rückgängig machen kann, nimmt er sich aus Verzweiflung das Leben.  Judas Iskariot wird stets beim Namen genannt. Der Verräter ist nicht irgendwer, sondern jemand. Gleichzeit heißt es immer „einer der Zwölf“. Der Verräter ist nicht jemand der von außen kommt, sondern einer der engsten Vertrauten Jesu. Und als Jesus ankündigt, dass einer der Zwölf ihn verraten wird, stellt sich jeder der Zwölf die Frage: Bin ich es etwa?  Wenn Matthäus in dieser Weise über den Verrat des Judas berichtet, dann um alle Nachfolger Jesu dazu aufzufordern sich selbst die Frage zu stellen: „Würde ich Jesus verraten? Für Geld?“  30 Silberlinge waren schon zurzeit Jesu eine symbolische Summe. Sie waren zu zahlen, wenn man den Sklaven eines anderen getötet hatte. Sie macht deutlich:  für Judas ist Jesus nicht der Messias, nicht der König der Juden, nicht der Sohn Gottes. Er ist ihm nicht mehr wert als das Geld, das man für ihn, wie jeden anderen Sklaven auch, bekommen kann.

Würde ich Jesus verraten? Für Geld? Wir sind hier sehr schnell dabei zu sagen: Auf keinen Fall!  Aber wenn wir mal unseren alltäglichen Umgang mit Geld anschauen, dann müssen die meisten von uns zugeben, dass wir vor Habgier und Geiz nicht gefeit sind: Wir suchen kleine Münzen aus für den Klingelbeutel oder treten aus der Kirche aus um Steuern zu sparen. Wir geben gerne 1000 Euro für eine Vergnügungsreise aus und spenden 50 Euro für die Menschen auf der Flucht.  Wir stellen für die Kranken in Spanien und Italien Kerzen auf, wollen Ihnen aber in der sich anbahnenden wirtschaftlichen Not nichts schenken.  Direkt vor der Passionserzählung des Matthäus stehen Jesu Worte über das Weltgericht. Da sagt Jesus zu den Verdammten: „ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich nicht aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir keine Kleidung gegeben; ich war krank und ihr habt mich nicht besucht.“ (Mt 25,43) Matthäus will uns warnen, dass wir nicht so enden wie Judas.Er will uns aufrütteln niemals der Habgier oder dem Geiz die Tür zu öffnen, sondern Jesus zu lieben und zu dienen indem wir die Kranken nicht im Stich lassen, jetzt nicht wenn sie  auf ihren Betten liegen und auch später nicht, wenn sie um ihre wirtschaftliche Existenz ringen. Indem wir die Obdachlosen nicht vergessen, auch nicht in den Lagern vor unserer europäischen Haustür.

Judas konnte Jesus für Geld verkaufen, aber er konnte ihn für Geld nicht zurückkaufen. Wenn wir krank werden oder ein wichtiger Mensch in unserem Leben stirbt, dann merken wir schnell wie wenig am Ende Geld wirklich wert ist. Gut wenn wir dann unsere Hoffnung nicht auf das Geld gesetzt haben, sondern auf Gott.

Ganz auf Gott vertraut hat Jesus. Während er am Kreuz hängt wird er verspottet: „Er hat auf Gott vertraut: der soll ihn jetzt retten, wenn er an ihm Gefallen hat.“ (Mt 27,43)

Es scheint so, als würde dieses Vertrauen in Gott nicht belohnt. Jesu Worte am Kreuz sind: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Mt 27,46). Ist Jesus am Ende doch in seinem Vertrauen auf Gott erschüttert worden? Die Worte Jesu am Kreuz sind der Anfang des 22. Psalms. Ein Psalm der von dem unerschütterlichen Vertrauen in Gott erzählt trotz allem.  Die Menschen, die an Jesus nur vorbeigehen, verspotten ihn. Sie können in ihm nicht mehr sehen als einen gescheiterten Hochstapler. Die Menschen aber die bei Jesus stehen bleiben erkennen: Dies ist Gottes Sohn! (vgl. Mt 27,39-55)

 

Liebe Schwestern und Brüder, für die kommenden Kartage lege ich uns dreierlei ans Herzen:

  1. Halten wir uns Judas als abschreckendes Beispiel vor Augen zu was wir nicht werden wollen.
  2. Stellen wir uns die kommenden Tage unter das Kreuz Jesu. Zusammen mit den Frauen, die dabei an das Wirken und Lehren Jesu denken und zusammen mit den Wachleuten, die Jesus gerade erst begegnet sind, die aber beim Anblick des sterbenden Jesus zum Glauben finden.
  3. Beten wir zusammen mit Jesus den Psalm 22. Schließen wir in dieses Gebet all die Menschen ein, die zurzeit in großer Bedrängnis und Verzweiflung leben und geben wir Gott die Ehre.

 

Veronika Brückner

Impuls zum 5. Fastensonntag

Liebe Schwestern und Brüder,

wir leben gerade in einer Zeit, in der uns Menschen vor Augen geführt wird, dass wir eben nicht alles kontrollieren können. Es gibt nun einmal Situationen im Leben, in denen wir erfahren müssen wie machtlos wir sind. Dazu gehören Krankheiten wie der Corona-Virus, Unfälle und vor allem der Tod an sich.

Im Evangelium zum 5. Fastensonntag geht es gerade um diese Machtlosigkeit des Menschen.

Lazarus, der Freund Jesu, wird krank und stirbt. Die Schwestern des Lazarus, Maria und Martha trauern um ihn und besonders Martha macht Jesus große Vorwürfe: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben. (Joh 11,21)

Dieser Satz drückt alles aus, was ein Mensch in seiner Machtlosigkeit empfinden kann. Die Trauer um das Geliebte, das man verloren hat, der Zorn selbst nichts ändern zu können, das alleingelassen sein, die Hoffnungslosigkeit, die Angst wie es weitergeht, die Erkenntnis, dass das Geschehene nicht rückgängig zu machen ist. Kein Mensch ist in der Lage in einer solchen Situation etwas zu ändern. Jesus ist für Martha zwar der Mann Gottes, der Messias, sie weiß um die Wunder und Krankenheilungen, die er vollbracht hat und er war auch die letzte Hoffnung für ihren Bruder. Doch der Hoffnungsträger kam zu spät und nun scheint auch er nichts mehr ändern zu können. Jesus ist eben auch nur Mensch für sie.

In diese ausweglose Situation spricht Jesus:

Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. (Joh 11,25-26)

Jesus erweckt Lazarus, entgegen jeder Erwartung, wieder zum Leben und zeigt somit, dass zwar der Mensch in solchen Situationen ohnmächtig, für Gott aber nichts unmöglich ist.

Die Frage, die er Martha stellte, gilt auch uns heute noch: Glaubst du das?

Trauen wir Gott das zu? Das er in den schweren Zeiten unserer Hoffnungslosigkeit, Angst und Ohnmacht alles wieder zum Guten wenden kann?

Ich, für meinen Teil, möchte glauben, dass Gott alles Verändern kann und dass man immer mit ihm rechnen muss in der Corona-Krise und an allen schweren Tagen meines Lebens.

Ihr Sven Brückner

Impuls zum vierten Fastensonntag

Liebe Schwestern und Brüder,

der heutige Sonntag, ist eigentlich der Laetare-Sonntag. Dieses Jahr ist das „Freue Dich!“ bei mir nicht so laut.

Statt gemeinsam in St. Josef das Patrozinium zu feiern sitzen wir alle, jeder für sich, zu Hause.

Und auch die Vorfreude auf das Osterfest ist getrübt bei der Aussicht, dass wir in diesem Jahr die Liturgie nicht zusammen in der Kirche feiern dürfen.

Im heutigen Evangelium sagt Jesus: „Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt“. (Joh 9,5)

Solange wir auf Jesus schauen, können wir Grund zur Freude finden, auch in der bedrückenden Situation der gegenwärtigen Zeit.

Das heutige Evangelium gibt uns auch einen Fingerzeig wie wir mit Leid und Krankheit umgehen können.

Die Jünger fragen danach, ob die angeborene Blindheit die Folge der Sünde der Eltern ist oder ob er selbst gesündigt hat und so von Gott gestraft wird.

Jesus antwortet: „Weder er, noch seine Eltern haben gesündigt,

                                sondern es soll Gottes Herrlichkeit an ihm offenbar werden.“  (Joh 9,3)

Jesus will Krankheit nicht als Strafe Gottes verstanden wissen,

aber er will sie nutzen um Gottes Herrlichkeit sichtbar werden zu lassen.

Auch wir können in der aktuelle Pandemie Gottes Herrlichkeit sichtbar werden lassen.

Wir können für die Heilung der Kranken beten, wir können unsere Nachbarn unterstützen indem wir aushelfen, wenn etwas im Haushalt fehlt. Wir können alte Menschen anrufen und ihnen zeigen, dass sie nicht alleine sind.

Wir können unseren Kindern zeigen, dass Sonntagsgottesdienst auch bei uns zu Hause stattfinden kann. Wir können die gewonnene Zeit nutzen um Gott zu begegnen und wie der Blinde gestärkt im Glauben aus dieser Begegnung hervorgehen. 

In diesem Sinne wünsche ich uns einen gesegneten Sonntag!

Ich bete dafür, dass Sie alle an Leib und Seele gesund bleiben und wir Gottes Herrlichkeit gerade in diesen schwierigen Zeiten erleben dürfen!

Ihre Veronika Brückner,